Hypnoseblog Ute Neehoff

Blog zur Hypnosepraxis Neehoff 

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Hypnoseblog

14.09.2017
20:28

Von einem, der beschloss, das Fürchten zu verlernen

Grabesstille. Die Welt weit weg. Er weiß nicht: ist es warm oder kalt, hell oder dunkel, still oder laut, Frühling oder Herbst. Leere im Kopf. Vorübergehend. „Jetzt nichts hören, nichts sehen, nichts wissen“, fleht er lautlos während die vor Angst geweiteten Augen das kleine grüne Etwas fixieren. Das kleine grüne Ding klemmt in einer kräftigen Faust, aus der es kein Entrinnen gibt.

Das Grün aktiviert seine Gehirnzellen. Panik breitet sich aus. Todesangst kriecht seinen Rücken hoch, lässt an seinen Füßen Betonklötze wachsen. Eiseskälte gefriert das Blut in den Adern. In seiner Kehle formt sich ein Röcheln, doch sein Sprechapparat ist blockiert. Schwindel erfasst seinen steifen Körper. Es gibt kein Zurück, kein Ausweichen, keinen Aufschub. Der Weg steht fest, felsenfest. Er ist ihn viel zu oft gegangen, kennt nur diesen Weg. Einen anderen gibt es nicht. Glaubt er.

Die Ereignisse entwickeln sich wie gewohnt. Der Unterschied zu anderen Filmen, die er in- und auswendig kennt: er verpasst grundsätzlich den Einstieg. Plötzlich steckt er mitten drin, intensiv mit allen Sinnen, stumpft nicht ab. Er starrt vor sich hin, ist ganz absorbiert, ganz konzentriert. Er sieht noch etwas anderes, und er sieht es nicht; er hört Geräusche aus einer anderen Welt, und er hört sie nicht; er weiß, der Film ist nicht alles, und er weiß es nicht; er riecht den Angstschweiß, und er riecht ihn nicht; er schmeckt Blut, und er schmeckt es nicht. Er ist Akteur und Zuschauer zugleich, doch Regie führt er nicht.

Sein Kopf bewegt sich langsam nach oben, reagiert auf Anweisungen eines unsichtbaren Regisseurs.  Ein hämisches Grinsen füllt sein Blickfeld und frisst sich genüsslich in seine Eingeweide. Die Panik erreicht ihren Höhepunkt. Er will sterben. Das hämische Grinsen verwandelt sich in ein höhnisches Lachen. Das Lachen schwillt an, tiefe Töne lassen sein Trommelfell vibrieren. Dann: der Ton verändert sich, wird schrill. Irgendetwas passt nicht mehr. Seine Erstarrung lässt nach. Wohltuende Stille. Er kann verschnaufen -  bis das Schrillen erneut einsetzt. In Zeitlupe dämmert ihm, was er hört.

Fortsetzung folgt

Achtung Satire!

Zielgruppe: Generation Y und alle, denen beim Lesen der Kamm schwillt

Gebrauchsanweisung, Teil 1: Wie Sie dafür sorgen, dass eine Hypnotherapie scheitert bevor sie begonnen hat.

Sie betreten den Raum. Widerstehen Sie der Versuchung, auf einen freundlichen Empfang zu reagieren. Schauen Sie sich abschätzig um. Freundlichkeit ist ein Zeichen von Schwäche, Höflichkeit ein Relikt aus alten Zeiten, Sie schlauer Fuchs! Zeigen Sie Ihr Pokerface.

Ignorieren Sie, dass nicht ich Sie, sondern Sie mich engagiert haben. Sagen Sie gleich, was ich besser machen müsste. Nehmen Sie auch Bezug auf meine Website.

Die ersten Minuten entscheiden, wie sich eine Beziehung gestaltet. Sie sind Experte in Beziehungsangelegenheiten. Sie leben allein, die letzte Freundin hat Sie kürzlich verlassen, die blöde Kuh. Dieser Auftakt ist Ihre Interpretation von „Kontakt auf Augenhöhe“.

Nachdem Sie Platz genommen haben, verschränken Sie die Arme. Sagen Sie nichts mehr und beantworten Sie keine Fragen. Reagieren Sie auf meine Aussagen mit heruntergezogenen Mundwinkeln. Bleiben Sie desinteressiert. Wenn Sie zu mir rüber schauen, dann mit gesenktem Kopf von oben herab. Wow, was für ein Effekt!

Nutzen Sie mein einsetzendes Schweigen für Ihren Einsatz. Machen Sie mir unmissverständlich klar, dass Sie ein verkanntes Genie und falsch bei mir sind. Wenn Sie den Eindruck haben, dass ich schwer von Begriff bin, verstärken Sie Ihre Aussagen durch verbale Angriffe.

Erwähnen Sie unbedingt, dass Sie eigentlich kein Geld für die Sitzungen haben. Vergessen Sie, dass Sie eine eigene Wohnung haben, mit dem Auto gekommen sind, im „Edelfummel“ stecken, regelmäßig in den Urlaub fahren. Ich Dämlack bin nicht von dieser Welt, merke nichts, Null Ahnung von Business, surfe auf meiner Welle.

Auf die Frage, ob Sie evtl. noch eine Hypnose erleben wollen, ob das im Liegen oder Sitzen geschehen soll, zucken Sie mit den Schultern. Trotten Sie dann zur Liege. Sollten Sie den geringsten Anlass haben zu glauben, dass ich noch immer nicht begriffen habe, dass Sie der Nabel der Welt sind, legen Sie nach.

Verwenden Sie alles gegen mich. In der Nachbarschaft wird Rasen gemäht? Unverschämtheit! Das Telefon ist an und piepst. Es war ausgestellt als der Anrufbeantworter anfing zu blinken. Ich habe Sie zurückgerufen. Sie haben kurz vor Sitzungsbeginn angerufen, um mir mitzuteilen, dass Sie zu spät kommen - ihr gutes Recht, denken Sie.

Verhindern Sie die Hypnose nach besten Kräften, indem Sie sich kurz an aufklärende Worte erinnern. Im Gegensatz zur Bühnenhypnose funktioniert klinische Hypnose nur, wenn Sie kooperieren. Machen Sie das Gegenteil. Erzeugen Sie anschließend erneut Amnesie für alles, was Ihr bestehendes Weltbild ins Wanken bringen könnte. Sie schaffen das!

Wenn Sie während der angeblichen Hypnose die Augen nicht öffnen können, auch nicht nach Aufforderung, hat das in Ihrem Fall nichts mit Hypnose zu tun. Machen Sie das anschließend sofort klar. Betonen Sie, dass Sie sich unwohl gefühlt haben. Hypnose war das nicht.

Ich will einfach nicht die Fassung verlieren? Meine stoische Gelassenheit geht Ihnen auf die Nerven? Fassen Sie zusammen: Sie wissen, was Hypnose ist. Sie haben im Internet und im Fernsehen Videos gesehen, waren in einer Show. Das ist Hypnose! Verdrängen Sie, dass Sie sich bei mir auf keiner Bühne, in keiner Demonstration und überhaupt in keinem öffentlichen Rahmen befinden, dass das Publikum fehlt. Ignorieren Sie, dass Bühnenhypnose ausschließlich der Unterhaltung dient, dass dabei niemand geheilt wird.

Sie waren beim Hypno-Doktor X, der Sie durch seine Videos beeindruckt hat. Leider waren Sie nicht hypnotisierbar. Bleiben Sie loyal, verschweigen Sie das bis nach der Hypnose. Während der Hypnose tanken Sie Energie. Diese investieren Sie umgehend. Hauen Sie den Hypno-Doktor X in die Pfanne. Ziehen Sie mal so richtig vom Leder. Mir entgleiten die Gesichtszüge? Sie wissen längst: wir passen auch nicht zusammen.

Bezahlen Sie widerwillig mit den Worten, dass Gesundheit das Wichtigste für Sie ist, dass Sie gern Geld dafür ausgeben. Nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Abwehrkräfte, sanfte Hinweise auf Widersprüche in Ihren Aussagen und Ihrem Verhalten platt zu machen.

Verwenden Sie alles, um Ihre negativen Vorannahmen zu bestätigen. Sie sind ein Meister des Utilisierens! Sie wissen alles besser. Ihnen muss ich nicht erklären, was "utilisieren" bedeutet.

Ihre Begründung für Ihr negatives Weltbild: Kritiker haben grundsätzlich Recht. Amen.

Gebrauchsanweisung, Teil 2: Wie Sie gegensteuern, falls Sie auf Empfehlung eines begeisterten Bekannten da waren oder die erste Sitzung wider Willen ein Erfolg war

Geht es Ihnen allen Widerständen zum Trotz am Ende besser, ignorieren Sie das tapfer. Meine Nachfragen quittieren Sie mit böser Miene und einem knappen: „Gut.“ Dann lamentieren Sie. Beschweren Sie sich nach besten Kräften, dass Sie alles mitbekommen haben. Greifen Sie zu bewährten Mitteln aus Teil 1: Das war keine Hypnose! Erinnern Sie mich, dass neulich im Fernsehen die Leute umgefallen sind. Darauf kommt es an!

Sagen Sie gleich, dass Sie keine weiteren Termine brauchen. Das passt zu Ihrer Überzeugung, die Sie in einem Nebensatz fallen lassen haben: "Mir kann sowieso keiner helfen."

Werten Sie Erfolge anderer mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Das war Glück, Zufall. „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.“ Lernen Sie im Zweifelsfall neue Abwehrmechanismen kennen. Sie wissen natürlich auch, was das ist.

Gebrauchsanweisung, Teil 3: Ihr Zusatznutzen

Bevor Sie den nächsten Anbieter mit Ihrem Besuch beglücken, lesen und hören Sie, was ein Psychologe, ein Therapeut aus dem Nachbarland und ein Berater Ihnen zu sagen haben. Das lohnt zu Zeiten der Globalisierung.

Sie begreifen, dass Ihr Verhaltung methodenübergreifend, unabhängig von Angebot und Ort seine Wirkung entfaltet. Man kann damit überall sein Leben gestalten. Nehmen Sie die Übereinstimmungen mit meiner Botschaft wahr und zum Anlass, eine neue Verschwörungstheorie zu begründen.

Teilen Sie Ihre negativen Erfahrungen mit Gleichgesinnten. Sorgen Sie auf diese Weise dafür, dass die Welt da draußen in Übereinstimmung kommt und bleibt mit der Welt in Ihrem Inneren. Es lebe die Komfortzone!

E N D E  der  S A T I R E

Quellen

Roland Kopp-Wichmann, ein Psychologe mit jahrzehntelanger Erfahrung: weiterlesen

Insiderwissen eines Therapeuten aus dem Nachbarland, auf den ich durch Roland Kopp-Wichmann aufmerksam geworden bin: weiterlesen

Ein Video liefert der charismatische Berater Tobias Beck.

Nachhaltige Veränderung erreichen Sie außerhalb der Komfortzone. Das ist unbequem, führt zu Irritationen, dem Drang aufzugeben, Ursachen für Misserfolge bei anderen zu suchen. Deshalb brauchen Sie einen unbequemen Begleiter, der Ihnen den Spiegel vorhält, wenn Sie sich im Zuge auftauchender Schwierigkeiten aus dem Staub machen wollen.

Ein Coach, der Ihnen einredet, dass Sie auf dem richtigen Dampfer sind während Sie auf eine Sandbank zusteuern, sitzt früher oder später dort mit Ihnen gemeinsam fest. Bestehen Sie darauf, dass ich mit Ihnen auflaufe, lasse ich Sie ziehen. Für erfolglose Veränderung stehe ich Ihnen nicht zur Verfügung.

Gott gab mir den Mut, diesen Artikel zu veröffentlichen und damit Dinge zu beeinflussen, die ich beeinflussen kann. Gott gibt mir im Kontakt mit "Bewohnern" die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und Gott lehrt mich fortwährend, diese Dinge besser voneinander zu unterscheiden.

Gelassenheitsgebet

Mein Dank gilt Therapeuten, Beratern, Trainern, Lehrern, die ihr wertvolles Wissen teilen. Sie haben dafür gesorgt, dass mir ein Licht bzgl. beratungsresisten Klienten aufgegangen ist.

Mein besonderer Dank gilt Hans-Peter Zimmermann, an dessen Institut für Klinische Hypnose (heute Lebensschule Schweiz) ich eine erstklassige Ausbildung absolviert habe. Er predigt bis heute, wie wichtig eine „glasklare Positionierung“ ist.

Wie Sie trotz Ambivalenz handeln statt sich zu blockieren

Sie warten auf den richtigen Moment, etwas zu tun, doch der lässt schon ewig auf sich warten?

  • Ja, dieses Seminar wäre schon interessant… doch die lange Anfahrt… die Kosten…
  • Noch mal studieren, eine Zusatzqualifikation erwerben… doch es müsste neben der Arbeit geschehen…
  • Noch ein Coaching… doch man hat ja schon so viel versucht…

Sie entscheiden sich nicht, weil Sie die Konsequenzen überblicken. Sie sehen den Aufwand. Sie wissen, es kostet Sie etwas – Geld, Zeit, Anstrengung, Ausdauer, Durchhaltevermögen. Sie sind klug genug zu verstehen, dass in letzter Konsequenz niemand vorhersagen kann, ob sich das Ganze für Sie lohnt, daher die Ambivalenz.

Wie sich Ambivalenz zeigt? Sie haben widersprüchliche Ansichten zu einem Thema:

Ihr innerer Visionär erkennt das Potential und fragt, worauf Sie denn warten.

Der Kreative träumt von weiteren Möglichkeiten… und lässt es dabei bewenden.

Der Sicherheitschef sieht die Gefahren und rät zur Vorsicht.

Die innere Mutter ist Ihr schlimmster Kritiker

Der Bedenkenträger bestärkt die innere Mutter: „Lass es,“ lautet die übliche Empfehlung.

Der Jammerer ist unzufrieden, doch tun will er nichts.

Der Besserwisser raunt: „Du bist im Netz… schau Filmchen… amüsier dich.“

Der Ungeduldige will endlich anfangen, drängelt, ist genervt, verdreht die Augen und hat kein Verständnis für Ihre zögerliche Haltung: „Leg los!" lautet die Botschaft.

Der Perfektionist schnaubt vor Wut über diesen Leichtsinn, denn selbst das Beste ist für ihn nicht gut genug.

Na, und der innere Kritiker erst...

Persönlichkeitsanteile haben eigene Überzeugungs- und Wertesysteme, woraus widersprüchliche Gefühle resultieren. Und das wirkt sich aus: Sie sind blockiert. Doch was steckt dahinter? Sie sind blockiert, weil die beste Lösung nicht funktioniert - zumindest solange Sie bewusst oder unbewusst glauben, dass es die beste Lösung wäre, allen gerecht zu werden. Kommt Ihnen das bekannt vor? Nein?

Schleicht sich hin und wieder ein ABER in Ihren Redefluss?

  • Ja, dieses Seminar wäre schon interessant, ABER die lange Anfahrt… die Kosten…
  • Noch mal studieren, eine Zusatzqualifikation erwerben, ABER es müsste neben der Arbeit geschehen…
  • Noch ein Coaching… ABER ich habe doch schon so viel versucht…

Es folgt eine Litanei. Eingeweihte wissen, dass ABER den 1. Teil des Satzes aushebelt. Man will eben nicht tun, was man im ersten Teil des Satzes behauptet. Vor diesem Hintergrund lautet eine gängige Empfehlung, das ABER aus dem Sprachgebrauch zu streichen. Doch ändert sich dadurch die innere Einstellung? Verabschiedet sich der Perfektionist, wenn das ABER - kraft bewusster Anstrengung - entfällt? Legen Sie jetzt los und fühlen sich rundum gut?

In manchen psychologischen Konzepten geht man davon aus, dass ein ABER auf inneren Widerstand hindeutet. Es wird mehr oder weniger deutlich unterstellt, dass jemand im Kern nicht wolle, wenn er das ABER gebraucht. Ist es wirklich so einfach, so eindeutig?

Warum beschäftigt sich jemand überhaupt mit einem Thema, wenn er in Wirklichkeit gar nicht will? Weil ihn das Seminar nicht interessiert? Weil die angestrebte Zusatzqualifikation nur ein Spleen ist? Weil ein weiteres Coaching sowieso nicht in Frage kommt? Ja, warum macht sich jemand dann die Mühe, sich damit zu befassen? Weil er kein Interesse hat? Wohl kaum.

Wie Sie das Beste aus widersprüchlichen Ansichten rausholen

Ich gehe davon aus, dass Sie zumindest einige der Teile, die sich in Ihrem Innern streiten, kennen. Wie in der Politik gibt es Vertreter unterschiedlicher Ansichten. Sie wissen, wie es häufig in einer Demokratie endet, wenn viele Seiten unterschiedliche Positionen einnehmen. Jede/r beharrt auf seinem Standpunkt. Es gibt endlose unfruchtbare Diskussionen. Man dreht sich im Kreis. Irgendwann kommt es zu einer Entscheidung, einer Lösung, doch wie?

  • Der Zufall entscheidet.
  • Wer am lautesten schreit, setzt sich durch.
  • Man sitzt die Meinungsverschiedenheit aus. Wer nach 10 Stunden noch wach ist, hat gewonnen. Die anderen wollen nur noch ihre Ruhe - vorerst.

Kurzum: irgendetwas geschieht irgendwann, nur nichts, womit Sie gerechnet haben. Sie fühlen sich überrumpelt. Unzufriedenheit breitet sich aus: „Da kann man ja gleich die Diktatur ausrufen.“ Für manche klingt diese Idee in einer verzwickten Situation verlockend.

Wäre es nicht schön, wenn in schwierigen Situationen jemand käme, der weiß, wo es lang geht, eine klare Ansage macht? Niemand widerspricht. Niemand widersetzt sich. Der Fall ist klar, wozu weiter nachdenken. Eine/r sagt, was zu tun ist. Punkt. Und das Beste: er/sie hat damit die Verantwortung. Herrlich. Erinnert Sie das an eine Zeit in Ihrem Leben? So war es als die Eltern zuständig waren für Sie. Und ist es nicht verständlich, wenn ab und zu die Sehnsucht danach aufkeimt? Schlüpft man nicht hin und wieder ganz gern in die Kinderrolle, z.B. wenn man die Eltern besucht?

Den meisten Menschen wird in der Pubertät bewusst, dass auch dieses Modell seinen Preis hat. Es kostet die Freiheit.

Der erste Schritt in Richtung Lösung

Es gibt viele Wege, der „Ambivalenzfalle" zu enkommen. Ich biete Ihnen einen möglichen an.

Würdigen Sie Ihre Ambivalenz, denn Ambivalenz ist der erste Schritt aus der Starre.

Ein anschauliches Beispiel, wozu es führt, keine Ambivalenz zu spüren, ist die südindische Affenfalle, deren Funktionsprinzip auf Wertstarrheit beruht.

Man bindet eine ausgehöhlte Kokosnuss an einen Pfahl und füllt eine Handvoll Reis hinein. Der Affe kann seine Hand hineinstecken um den Reis zu greifen, doch das Loch ist zu klein, um die Faust mit dem Reis wieder herauszuziehen. Der Affe ist in der Falle gefangen, aber nur wegen seiner Wertstarrheit. Er ist außerstande, den Reis neu zu bewerten. Er ist unfähig zu erkennen, dass die Freiheit ohne Reis mehr wert ist als die Gefangenschaft mit Reis. Die Jäger kommen näher… immer näher…  

Welchen allgemeinen Rat – keinen spezifischen, sondern welchen allgemeinen Rat könnte man dem bedauernswerten Gefangenen in seiner Zwangslage geben?„Es gibt eine Tatsache, die der Affe kennen sollte: Wenn er die Faust aufmacht, ist er frei. Aber wie soll er hinter diese Tatsache kommen? Indem er die Wertstarrheit aufgibt, die den Reis höher einschätzt als die Freiheit.

Wie soll er das anstellen?Nun er müsste irgendwie versuchen, bewusst langsamer zu treten und noch einmal durchgehen, was er schon für erledigt hielt, um festzustellen, ob die Dinge, die er für wichtig hielt, wirklich so wichtig sind und… na eben aufhören, an der Kokosnuss zu zerren, und sie einfach nur eine Zeitlang anstarren.

Und über kurz oder lang müsste er ein Rucken spüren von einer kleinen Tatsache, die wissen will, ob er sich für sie interessiert. Er sollte versuchen, diese Tatsache weniger im Hinblick auf sein großes Problem zu verstehen als um ihrer selbst willen. Dieses Problem ist vielleicht gar nicht so groß, wie er denkt. Und auch die Tatsache ist vielleicht gar nicht so klein, wie er denkt.“ (aus „Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig in „Das Tarot-Handbuch“ von Hajo Banzhaf)

Der nächste Schritt

Wertschätzen Sie sich dafür, dass Sie den Zustand der Starre überwunden haben. Das war der erste Schritt. Erkennen Sie das an, dass Sie den ersten Schritt getan haben. Ohne den ersten Schritt wäre der zweite unmöglich. Erkennen Sie das an. Das ist der zweite Schritt.

Es gibt immer noch die Teile in Ihnen, die ganz unterschiedliche Ansichten und Absichten haben. Dennoch haben Sie sich bewegt. Und das verdient Wertschätzung und Anerkennung. Sie konnten sich nur bewegen, weil Sie bereit sind, auf etwas zu verzichten. Und Sie verzichten auf etwas, worin Sie schon viel Energie investiert haben: in den Versuch, die perfekte Lösung zu finden, indem Sie es allen Teilen recht machen. Ihnen dämmert, dass Sie damit nicht weiterkommen, sonst würden Sie nicht mehr lesen.

Damit dieses neue Verhalten eine Chance hat, etwas zu bewirken, ist es wichtig, das Alte zu würdigen. Wenn Sie diesen Schritt auslassen, krallt sich das Alte fest und Sie sind ruck zuck wieder in der Starre. Es ist völlig normal, dass sich das „Alte“ immer mal meldet. Das lässt sich nicht ändern, Muster sind hartnäckig.

Wenn Sie aus alter Gewohnheit wieder mal das Bedürfnis haben, es allen Recht machen zu wollen, könnten Sie sich an die folgende Geschichte erinnern.

Ein Vater reitet auf einem Esel und neben ihm läuft sein kleiner Sohn. Da sagt ein Passant empört: "Schaut euch den an. Der lässt seinen kleinen Jungen neben dem Esel herlaufen".

Der Vater steigt ab und setzt seinen Sohn auf den Esel. Kaum sind sie ein paar Schritte gegangen ruft ein anderer: "Nun schaut euch die beiden an. Der Sohn sitzt wie ein Pascha auf dem Esel und der alte Mann muss laufen".

Nun setzt sich der Vater zu seinem Sohn auf den Esel. Doch nach ein paar Schritten ruft ein anderer empört: "Jetzt schaut euch die Beiden an. So eine Tierquälerei".

Also steigen beide herab und laufen neben dem Esel her. Und sogleich sagt ein anderer belustigt: "Wie kann man nur so blöd sein. Wozu habt ihr einen Esel, wenn ihr ihn nicht nutzt."

Wenn sich wieder das ABER meldet

empfehle ich, gleich noch 10 ABER hinterherzuschicken, denn schließlich signalisiert es einem, dass man mehr als eine Seite in sich hat und keine eindimensionale Persönlichkeit ist, sondern mehr zu bieten hat. Als nächstes könnte man sich erinnern, dass man sich in der Pubertät gegen die Diktatur für parlamentarische Demokratie entschieden hat, auch wenn ein Teil in einem möglicherweise nach wie vor für "DDR-Verhältnisse" plädiert.

Wenn verschiedene Seiten in einem anspringen, gibt es eine Demokratie. Zur Demokratie gehört immer eine Opposition. Die meldet sich nun mal, legt einem Steine in den Weg. Die Opposition hält die Demokratie am Leben. Mit Demokratie umgehen zu können, will gelernt werden. Erwachsene Menschen sind in einer Demokratie handlungsfähig. Man weiß: mit 50,1% der Stimmen ist man handlungsfähig.

Es ist kein Geheimnis, dass es mühsam ist, in einer Demokratie zu leben, dass man es auch mal satt hat, sich mit der Opposition plagen zu müssen. Die gibt niemals Ruhe, erinnert daran, dass es auch andere Wege gibt, auf die man verzichtet hat… Man könnte auch ruhiger leben… ohne dieses Seminar… ohne die Zusatzqualifikation… ohne ein weiteres Coaching…

Würdigen Sie die Opposition als Begleitmusik des Zurückgebliebenen, wertschätzen Sie den  Beitrag der Opposition. Wenn sich diese gesehen und geachtet fühlt, wirkt sich das auf deren Verhalten aus. Probieren Sie es einfach aus.

Zum praktischen Umgang mit der inneren Opposition:

  • Identifizieren Sie die Teile, die sich gerade in Ihnen melden.
  • Führen Sie einen inneren Dialog. Erfragen Sie die Absichten.
  • Gehen Sie in Kontakt mit Ihrem höheren Selbst (der Instanz, die das Ganze aus übergeordneter Perspektive wahrnehmen kann): nehmen Sie dazu eine andere Sitzhaltung ein, laufen Sie herum, atmen Sie tiefer.
  • Erkennen Sie die Absichten der Teile an.
  • Auf der Basis des Gehörten treffen Sie Ihre eigene Entscheidung. Das kann auch bedeuten, der Opposition ab und zu entgegen zu kommen. Die hat nicht zwangsläufig immer unrecht. Doch Sie entscheiden.

Und wenn sich die Opposition zu sehr ins Rampenlicht drängelt? Wenn Sie dabei sind, die innere Distanz zu verlieren? Manchmal bedeutet Vorwärtsschreiten, einen Schritt zurück zu gehen, z.B. zurück zur Geschichte mit dem Esel, denn Veränderungen verlaufen selten geradlinig.

Fazit: Wie Veränderung gelingt

Veränderungen verlaufen nicht linear. Die Gehirnforschung hat herausgefunden: das menschliche Gehirn bleibt lebenslang lernfähig. Wenn Sie sich bewusst machen, welche innere Landkarte von der Welt Sie benutzen, können Sie diese aktualisieren. Manche Modelle von der Welt haben Sie mit Sicherheit als kleiner Junge oder kleines Mädchen gebildet. Mit einem Stadtplan, der zwanzig, vierzig Jahre oder noch älter ist, würden Sie heute niemals eine Reise antreten. Wird es nicht höchste Zeit, sich die innere Landkarte näher anzuschauen und fällige updates zu installieren?

Das menschliche Gehirn bleibt lebenslang lernfähig, doch wie in der Ausbildung oder beim Studium braucht es für den erfolgreichen Abschluss eines Projekts auch noch einen stabilen verbindlichen Rahmen. Schaffen und nutzen Sie diesen. Setzen Sie Priorität, denn Sie wissen, dass Ambivalenz in der Anfangsphase eines Projekts Ihr Begleiter ist. Muster sind hartnäckig. Denken Sie an die zwei Schritte, wenn sich das alte Muster meldet.

Die Denkanstöße zu diesem Beitrag geliefert haben mir Bücher, Videos und Tonaufnahmen von Gunther Schmidt. Dass diese allgemein zugängliche sind, ist das Verdienst von Bernd Ulrich. Aus seinem Newsletter weiß ich, dass er mehr als einmal mit Ambivalenz zu tun hatte als es um den Fortbestand seiner Firma ging. Und er ist ein tolles Vorbild, wenn es darum geht, mit Ambivalenz ein Projekt nicht nur zu beginnen, sondern erfolgreich weiterzuführen.

Sie haben schon viel probiert?

Sie wollen ein Problem loswerden? Jetzt hoffen Sie auf Hypnose?

Sie haben einiges ausprobiert und sind enttäuscht worden. Sie lesen, weil Sie denken, dass es hier die Lösung gibt. Gönnen Sie sich einen kurzen Moment, in sich reinzuhören, bis es so weit ist.

Wenn jemand anders Ihr Problem löst

  • Macht Sie das schwächer oder stärker?
  • Macht es Sie freier und unabhängiger?
  • Stärkt es oder schwächt es Ihr Selbstbewusstsein?
  • Reifen, wachsen Sie dabei als Persönlichkeit?
  • Fühlen Sie sich dabei als Gestalter Ihres Lebens oder als „Befehlsempfänger“, dem andere sagen, wo es lang geht?
  • Sie geben bereitwillig Ihre Autonomie auf? Dann klicken Sie besser weg und verzichten auf die Lösung. Wenn Sie es satt haben, sich von Ihrem "inneren Kind" durchs Leben schubsen zu lassen, dann erlauben Sie sich einen kurzen Ausflug in die Transaktionsanalyse, denn

 

„… irgendwie und irgendwann müssen wir den unaufhaltsamen Marsch der Generationen in den Irrsinn oder in andere Formen der Selbstzerstörung, die ihren Ursprung in der Kindheit haben, doch zum Stillstand bringen.“ (Thomas A. Harris in seinem Buch „Ich bin OK, du bist OK“)

Wenn wir uns unser Gehirn als Festplatte vorstellen, befinden sich darauf Aufzeichnungen, die gemäß Transaktionsanalyse zu 3 unterschiedlichen Kategorien gehören. Diese Aufzeichnungen werden abgespielt, wenn die äußere Situation der Situation entspricht, die zum Zeitpunkt der Aufzeichnung bestand. Etwas wird "getriggert".

Kategorie 1: Das Eltern-Ich spiegelt Ihr anerzogenes Lebenskonzept wieder.

Ihr Eltern-Ich hat frühe Aufzeichnungen Ihrer tatsächlichen kindlichen Umwelt gespeichert. Es sagt Ihnen, was Sie MÜSSEN. Dieses Konzept ist nicht unbedingt identisch mit dem, was Ihre Eltern tatsächlich taten und meinten, sondern mit dem, was Ihrer ANNAHME darüber entsprach.

Diese Aufzeichnungen sind veraltet und häufig selbstgerecht. Sie sind besonders stark vertreten während des „inneren Dialogs“.

Das Eltern-Ich stellt die Realität verzerrt da, denn die Aufzeichnungen stammen aus einer Zeit kindlicher Abhängigkeit, einer Abhängigkeit, die es so nicht mehr gibt.

Indizien

Beobachten Sie automatische Reaktionen, zu erkennen an:

  • Wörtern/Formulierungen wie „immer, nie, sollte, müsste, die verhindern, dass neue Informationen aufgenommen werden
  • Wertungen über andere Menschen, eingefleischte Vorurteile wie „dumm, böse“, etc.
  • einer strengen, starren Mimik
  • bestimmten Gesten wie dem erhobenen Zeigefinger

Kategorie 2: Das Kindheits-Ich spiegelt Ihr gefühltes Lebenskonzept wieder.

Ihr Kindheits-Ich hat vor allem frühe Aufzeichnungen innerer Zustände und Gefühle gespeichert, die Reaktionen darstellten auf das, was Ihre Eltern sagten und taten.

Unterschieden werden 2 Teile:

Das natürliche Kindheits-Ich ist kreativ, spontan, neugierig, bewusst, furchtlos. Es ist wertvoll, wenn es genügend Freiraum erhält.

Das anpassungsfähige Kindheits-Ich hat sich angepasst an die ursprünglichen Forderungen des Eltern-Ichs. Es ist problematisch, wenn es ängstlich, gehemmt, egozentrisch ist.

Indizien

  • Wörter/Formulierungen wie: „Ich will (aber)…Mir doch egal.“
  • Superlative: größer, besser
  • Gemütsbewegungen: Tränen, zitternde Lippen, betteln, schmollen, Wutanfälle, lachen…
  • Gestik: Nägelkauen, Hand heben, wenn man etwas sagen möchte

Kategorie 3: Das Erwachsenen-Ich spiegelt Ihr gedachtes Lebenskonzept mit eigenen Erklärungen wieder.

Die Aufzeichnungen beginnen mit der Phase der eigenen Fortbewegung mit etwa 10 Monaten. Hierzu gehören Entscheidungen, Wahrscheinlichkeitsabschätzungen wie der REALITÄTSCHECK und die ÜBERPRÜFUNG DES ELTERN-ICHS. Vorhandene Aufzeichnungen werden aktualisiert. Das Erwachsenen-Ich fördert die Sicherheit des Kindheits-Ichs, wenn sich die Informationen des Eltern-Ichs als zuverlässig erweisen.

Das Erwachsenen-Ich ermöglicht eigene Handlungen unter Berücksichtigung von Konsequenzen. Es hat Durchhaltevermögen, ist verantwortungsbewusst und frei im Sinn von „Ich weiß, was ich tue und übernehme die Verantwortung für mein Tun.“ Es lebt in der Gegenwart. Es ist in der Lage, gut für die „inneren Kinder“ zu sorgen und ihnen einen angemessenen und sicheren Platz zuzuweisen. Wie das geht, erlebt man während der systemischen Hypnose.

Indizien

  • „W“-Fragen: warum, wo, wann, wie, was, wer
  • Formulierungen wie: „Ich denke, ich glaube, ich finde, ich meine, meiner Meinung nach…“
  • Mimik/Gestik: offene, dem Gesprächspartner zugewandte Art
  • Man gestattet dem eigenen neugierigen Kindheits-Ich, sein Gesicht zu zeigen.
  • Unterschied zum Eltern-Ich: Es werden keine unumstößlichen Wahrheiten deklariert, sondern eigene Meinungen.

 

In der Transaktionsanalyse wird die Balance zwischen allen drei Bereichen angestrebt.

Beispiel

frühe Aufzeichnung: Ein dreijähriges Kind fällt, ruiniert seine neuen Sachen. Das Kind verspürt Schmerz. Das Kind wird ausgeschimpft.

Reaktivierung: Der erwachsene Mensch rennt, um den abfahrenden Bus zu schaffen und denkt noch: „Pass auf, dort ist eine Kante, stolpere nicht.“ Er fällt, der Bus ist weg, er fühlt sich unzulänglich, tölpelhaft.

mögliche Ursache und innerer Dialog:

Eltern-Ich:  „Ungeschick lässt grüßen. Habe ich Dich nicht gewarnt? Kannst Du nicht besser aufpassen.“

Kindheits-Ich: „Ja, aber, ich wollte doch…“ mit weinerlicher Stimmung.

Im Idealfall greift jetzt das Erwachsenen-Ich ein und nimmt den Realitäts-Check vor: „OK, ich bin gestolpert, das kann passieren, ist aber noch lange kein Grund, mich zu beschimpfen und mies zu fühlen. Der Bus ist abgefahren, das lässt sich nicht ändern. In 10 Minuten kommt der nächste. Demnächst gehe ich eher los.“ Und der Zwischenfall ist kurz darauf vergessen.

Es gilt, Überkreuz-Transaktionen zu vermeiden, da diese unweigerlich zum Konflikt führen. Die Transaktionen zwischen verschiedenen Ich-Anteilen erfolgen meist unter völliger Abwesenheit des Erwachsenen-Ichs.

Beispiel

Patient, den Tränen nahe (Kindheits-Ich): „Nichts hilft. Machen Sie doch endlich was.“

Arzt, mit unbewegter Miene (Eltern-Ich): „Ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Sie bekommen Physiotherapie, haben Tabletten für den Notfall. Woanders wäre das gar kein Fall für einen Arztbesuch.“

Ich bin sicher, Ihnen fallen jede Menge Beispiele ein, besonders wenn Sie an Ihre Partnerschaft denken. Kaum jemand versteht es besser, „Knöpfe zu drücken“, die uns gefühlsmäßig in alte Zeiten versetzen.

Der Ausweg: Aufbau eines starken Erwachsenen-Ichs, denn

Sie erinnern sich: „… irgendwie und irgendwann müssen wir den unaufhaltsamen Marsch der Generationen in den Irrsinn oder in andere Formen der Selbstzerstörung, die ihren Ursprung in der Kindheit haben, doch zum Stillstand bringen.“ (Thomas A. Harris)

Hier die eingangs versprochene Lösung

Sie stärken und emanzipieren Ihr Erwachsenen-Ich durch Erkenntnis.

  • Sie erhöhen Ihre Wachsamkeit gegenüber Signalen aus Eltern- und Kindheits-Ich und schränken dadurch automatische mittlerweile ungültige und nicht überprüfte Reaktionen ein.
  • Sie hören den inneren Dialogs, z.B. bei inneren Anklagen: „Warum schlägt mein Eltern-Ich auf mein Kindheits-Ich ein?“ Damit erreichen Sie eine deutliche Stress-Reduktion in kritischen Situationen.
  • Sie sind aufgeschlossen gegenüber dem Kindheits-Ich anderer Menschen, erkennen deren Wunsch nach Schutz, Anerkennung, kreativem Ausdruck statt es durch hartherzige Aussagen Ihres Eltern-Ichs zu demütigen.
  • Sie bauen ein eigenes Werte-Systems auf.
  • Sie passen Ihre Wahrnehmung an die äußeren Gegebenheiten an. Eine Wahrnehmung, die hinter den Ereignissen zurückbleibt, ist archaisch, d.h. stammt entweder aus dem Eltern-Ich, z.B. wenn wir uns weigern, etwas zu glauben, weil es uns missfällt, oder dem Kindheits-Ich, z.B. wenn wir irrationale Angst empfinden.
  • Sie treffen immer wieder die bewusste Entscheidung: „Ich bin ok, du bist ok.“

 

Das Gefühl „Ich bin NICHT ok" bedeutet, dass Menschen in der Gegenwart eine Situation abrufen, die sie in der Kindheit abgespeichert haben. In der abgerufenen Situation waren sie hilflos und abhängig. Das Kind formt seine eigene Wahrheit aufgrund seiner Abhängigkeit von den Eltern. Wenn das Kind denkt: „Ich bin nicht ok, du bist ok.“ will es diesem „nicht ok sein“ entrinnen, sucht nach Hinweisen, dass es ok ist und kommt zur Schlussfolgerung:

Ich bin ok, wenn… "Wenn“ schafft Orientierung, legt dabei jedoch den Grundstock für mangelndes Selbstvertrauen und Minderwertigkeit.

Als Erwachsene brauchen wir unsere Eltern nicht mehr zum Überleben. Erwachsen sein bedeutet, mit den eigenen Eltern während einer Begegnung auf Augenhöhe zu sein statt innerlich zu schrumpfen und wieder klein zu werden. Das klingt leicht, ist es jedoch oft ganz und gar nicht. Und über so Manche/n bestimmen die Eltern selbst aus dem Grab heraus, wenn sich die erwachsenen Kinder nach deren Vorstellungen richten.

Solange wir für nichts verantwortlich waren, konnten wir nichts tun. Als Erwachsene haben wir die Wahl. Als Erwachsene können wir unsere Zukunft selber bestimmen, unabhängig von dem, was unsere Eltern getan oder vorgelebt haben.

"Ich bin ok, du bist ok" bedeutet eine schöpferische Herausforderung:

  • OK-Menschen treffen die Entscheidung, ok zu sein und tun alles Erforderliche, um sich ok zu fühlen, begeben sich auf Spurensuche zu sich selbst.
  • OK-Menschen kennen nützliche Eltern-Ich-Botschaften und ermuntern sich selber, falls sie diese nicht erhalten haben: „Du kannst Probleme lösen. Du kannst denken. Du kannst etwas tun.“
  • OK-Menschen sehen ihre Eltern-Ich-Maßstäbe im Licht neuer Daten und können sie verändern, erkennen die eigene Verletzlichkeit, sehen schmerzliche Situationen vorher und meiden sie. Sie können neue Gefühle etablieren durch neues Tun, denn Gefühle sind stets die Folge – nicht die Voraussetzung – einer Handlung.
  • OK-Menschen leben in der Gegenwart, wissen, dass sie diese gestalten können. Sie wissen, dass sie die Vergangenheit nicht verändern können, doch sie können den Umgang damit verändern und verändern damit die Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart.
  • OK-Menschen denken, bevor sie reagieren – immer öfter.
  • OK-Menschen lassen sich helfen, holen Informationen und Expertenwissen ein.

 

Sie wollen sich noch nicht ganz von der Hoffnung verabschieden, dass jemand Ihre Probleme weghypnotisiert?

Und ist das nicht verständlich? Man sucht immer wieder nach Lösungen ohne Preis, die möglichst allen gerecht werden. Dahinter steckt das Sehnsuchtsziel, dass sich immer wieder meldet. Und das kennt jeder, besonders in Momenten, wo es schwer wird, eine Krise naht, der Rückfall droht und kurz vor dem Durchbruch. Viele geben kurz vor dem Ziel auf.

Damit alles, was Sie schon getan haben, erlebt haben, nicht umsonst gewesen ist:

Würdigen Sie das Sehnsuchtsziel, wenn es auftaucht: „Ach ja, wäre es nicht schön, wenn es ginge.“ Und dann lassen Sie sich wieder führen von der Instanz, die weiß: „Doch das ist nicht zu erreichen. Es geht nicht. Und ja, das ist blöd.“ Und dann fragen Sie: „Und was geht?“ Sie prüfen, was unter den aktuellen Umständen geht, holen sich Unterstützung, legen eine Verschnaufpause ein, rekapitulieren, was Sie erreicht haben und gehen in „Mikro-Mäuse-Schritten“ weiter statt aufzugeben. Sie wissen, Ambivalenz gehört dazu, es gibt kein Hop oder Top.

Wie würde sich das auswirken? Wohl möglich kommt doch noch das ersehnte Wunder, doch anders als gedacht, in Form eines „Kooperations-flows“. Das ist das Gegenteil von der Opferrolle, in der man feststeckt, wenn man hofft, dass jemand, eine Methode, etc. das Problem löst. Und wenn Sie zwischendurch abdriften in die Opferrolle, dann erinnern Sie sich: "Aha, das Sehnsuchtsziel..." und pflanzen Zieldienlicheres in Ihr Unterbewusstsein, aktualisieren die Festplatte. Darum geht es bei einer Hypnose-Sitzung - um ein "update."

Was immer funktioniert, weil Sie das erforderliche Hilfsmittel immer dabei haben :)

Werbewirksamer hieße es: Abnehmen leicht gemacht

Das „Hilfsmittel“, das ich meine, ist Ihr Körper. Ohne Ihren Körper hätten Sie keine Symptome, die Sie als Problem definieren könnten. Anders betrachtet ist Ihr Körper ein wertvolles Instrument, das Ihnen permanent Feedback liefert. Ihr Körper informiert Sie (z.B. über unbeachtete Bedürfnisse).

Um körperliche Probleme zu beheben, brauchen Sie nichts weiter ;) tun als adäquat zu reagieren. Wer gelernt hat, die Botschaft zu beachten, zu entschlüsseln, zu reagieren, löst nach meiner Erfahrung seine Probleme. Hat man das nicht gelernt, wird meist versucht, das Feedback des Körpers mittels Symptombekämpfung zu unterbinden.

Die Möglichkeiten in unserer Welt sind enorm. Es gibt viele Mittel und Wege, auch für die Menschen, die keine Lust haben, sich mit Krankheiten und Symptomen auseinanderzusetzen. Wenn das gerade für Sie zutrifft, hier bekommen Sie einen Einblick ins Meer der Möglichkeiten.

Es gibt unzählige einfache Hilfsmittel, derer wir uns im Alltag bedienen können. Viele davon kennen wir oder haben schon mal davon gehört. Die Pointe: nur wenige Menschen machen davon Gebrauch. Anders sind die Flut von Ratgeberbüchern und deren stetig steigender Umsatz nicht zu erklären.

Eine von vielen Möglichkeiten, wie Sie Ihren Körper nutzen können, um Ihr Verhalten zu beeinflussen

Das Handflächenparadigma

Indem Sie Ihre Handflächen wie zum Wasserschöpfen nach oben halten, wobei sie ein Stück voneinander entfernt sein können, aktivieren Sie Zuwendungstendenzen.

Auf unbewusster Ebene wissen Sie das längst. Beobachten Sie Menschen, die mit Kindern spielen. Wenn ein kleines Kind auf einen Erwachsenen zuläuft, strecken die meisten Menschen die Arme nach vorn aus – mit den Handflächen nach oben.

Das können Sie testen. Legen Sie während eines Gesprächs die nach oben geöffneten Handflächen in den Schoß, auf den Tisch, wie es gerade passt, eventuell unbemerkt für Ihren Gesprächspartner. Es vereinfacht die Kommunikation (auch und besonders in schwierigen Situationen). Wenn Sie jemand sind, der reflexartig „dicht macht“, kennen Sie sicher die ungünstigen Auswirkungen dieses Verhaltens. Aktivieren Sie stattdessen Zuwendungstendenzen.

Indem Sie die Handflächen nach vorn und nach außen oder nach unten richten, aktivieren Sie Abwehrtendenzen. Beobachten Sie Menschen im destruktiven Streitgespräch oder Menschen, die etwas schildern, was Sie ablehnen. Mit ziemlicher Sicherheit werden Sie entsprechende Gesten beobachten können.

Sie können unbewusste Gesten bewusst nutzbringend für sich einsetzen und damit Ihr Unterbewusstsein als Verbündeten gewinnen, z.B. wenn Sie abnehmen wollen. Aus der Gehirnforschung ist bekannt, dass das Unterbewusstsein schneller reagiert als das Bewusstsein. Deshalb macht es Sinn, dem Unterbewusstsein rechtzeitig zu signalisieren, was man will.

So geht es:

Wie Sie weniger essen

Legen Sie die Handflächen auf den Tisch und drücken nach unten. Wenn jemand etwas anbietet und man möchte eigentlich nicht mehr, reagieren viele Menschen automatisch mit der entsprechenden Geste. Sie richten die Handflächen nach vorn mit den Worten: „Ich habe genug.“ Diesen Menschen gelingt es besser, bei Ihrer Meinung zu bleiben. Und das funktioniert auch, wenn die Einladung, weiter zu essen, von Innen kommt. Wenn Sie allein essen, legen Sie zwischendurch die Handflächen auf den Tisch und drücken als wollten Sie die Tischplatte nach unten drücken.

Dass das funktioniert wurde experimentell nachgewiesen. Es wurden 2 Gruppen verglichen. Eine Gruppe sollte über einen gewissen Zeitraum, in der sie anderweitig beschäftigt war, immer wieder mal wieder mit der Hand auf den Tisch drücken ohne zu wissen, wozu das gut sein soll. Eine andere Gruppe beschäftigte sich ganz normal. Anschließend wurde beiden Gruppen Kekse angeboten. Beide Gruppen waren gleich satt. Mitglieder der Gruppe, die zwischendurch mittels Handbewegung innere Abwehrtendenzen aktiviert hatten, griffen eindeutig seltener zu bei den Keksen. Ist doch toll, oder?

Man kann den Körper auf vielerlei Art und Weise einbinden, um seine Ziele zu erreichen. Das Handflächenparadigma ist ein Beispiel von vielen.

Ich will nicht verschweigen, dass es auch Negativbeispiele gibt. Zu diesem Beitrag angeregt hat mich jemand, der mir von einer negativen Erfahrung berichtet hat. Er hatte einen Gesprächspartner, der ihn während eines längeren Gesprächs die ganze Zeit intensiv anstarrte und damit für Verunsicherung sorgte. So etwas muss man trainieren. Normalerweise sind Menschen nicht in der Lage, jemandem über einen langen Zeitraum in die Augen zu schauen bzw. wollen es auch nicht wegen der genannten Wirkung. Anstarren lässt sich trainieren, wenn man weiß, worauf es ankommt. Doch wozu? Ganz bestimmt nicht, um jemandem auf Augenhöhe zu begegnen.

FAZIT

Manches ist einfacher als man denkt.

Bevor Sie sich zu einer ungeprüften Meinung hinreißen lassen, probieren Sie aus, was Sie gerade gelesen haben. Werden Sie das Handflächenparadigma zu Ihrem Vorteil anwenden? Wenn ja, wie lange?

Wie stellen Sie sicher, dass Sie sich an das Handflächenparadigma erinnern bis Sie es gewohnheitsmäßig anwenden, z.B. um weniger zu essen?

Was hätte es für Auswirkungen auf Ihr Befinden, wenn Sie die in diesem Beitrag gewonnenen Erkenntnisse konsequent nutzen?

Die Alternative: den nächsten Ratgeber kaufen, lesen, weglegen.

 

Woran könnte es liegen, dass Sie darauf verzichten, gewonnene Erkenntnisse nutzbringend einzusetzen? Stehen Sie sich öfter selber im Weg? Würden Sie das gern ändern? Hypnose wäre ein Weg zu tieferer Selbsterkenntnis ;) Wer sein Unterbewusstsein kennt, ist ihm nicht mehr ausgeliefert.

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