Warum es sich lohnt, die eigenen Abgründe zu kennen
Nach einer tiefenpsychologischen Hypnose, mit der ich arbeite, kann es vorkommen, daß der Klient verwirrt ist, weil er etwas an sich entdeckt hat, was ihm zunächst Unlust bereitet – Abgründe seiner Seele, auch psychologischer Schatten genannt.
Schatten, Abgründe – was ist das?
Der psychologische Schatten ist das, was wir an uns selbst nicht mögen, das uns noch Fremde in unserer Seele. Der Schatten widerspricht unserem Ich-Ideal, untergräbt unser Selbstbewußtsein und sorgt für schlechte Gefühle. Deshalb fristet er bei den meisten Menschen sein Dasein in den Tiefen ihres Unterbewußtseins, was keineswegs bedeutet, daß er unwirksam ist.
Warum es leicht ist, den eigenen Schatten zu erkennen
Solange keine bewußte Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten stattgefunden hat, ist der Verdrängungsmechanismus Projektion die häufigste Antwort darauf. Das klingt dann so: Die anderen sind schuld, böse, geizig, stur, dämlich, intolerant, faul, dumm... Achten Sie einfach darauf, was Sie an anderen besonders stört, nervt, „krank macht“.
Und nun? Den Schatten bekämpfen, ablehnen, ignorieren? Wir leben in einer dualen Welt, in der alles 2 Pole hat, zwischen denen es unendlich viele Abstufungen gibt. Die jeweiligen Pole, z.B. ausschließlich gut oder ausschließlich böse, sind eher selten zu finden. Oder sind Sie schon einem/r Erleuchteten begegnet? Bevor Sie eine Entscheidung treffen wie Sie mit Ihrem Schatten umgehen, möchten Sie vielleicht wissen:
Wie entsteht der Schatten?
Der Mensch lebt nach der Geburt auffällig lange in Unreife und Abhängigkeit und bekommt in dieser Zeit „eingetrichtert“ wie er zu sein hat. Unsere Eltern und Bezugspersonen zeigen uns meist recht deutlich wie wir sein sollen. Ein Kind ist ohne Eltern oder Ersatzpersonen nicht überlebensfähig. Obendrein hat jedes Kind einen unbändigen Drang, von seinen Eltern geliebt zu werden und tut sein Bestes, um sich so weit anzupassen, daß ihm diese Liebe gewährt wird. Ein kleiner Mensch merkt sehr schnell, was er tun und wie er sein muß, damit seine Bedürfnisse befriedigt werden. Was das verhindert, wird verborgen und negativ bewertet.
Das müssen nicht zwangsläufig schlechte Eigenschaften sein. Die Reaktion unserer Bezugspersonen auf unser Verhalten in der Kindheit hat uns gelehrt, ein schlechtes Gefühl zu haben, wenn wir gewisse Seiten unserer Persönlichkeit zeigen. Diese Seiten an uns halten wir dann für schlecht, verleugnen sie und damit einen Teil von uns selbst. Die Seele läßt sich nicht dauerhaft austricksen und reagiert irgendwann mit Schmerz, wenn wir permanent Teile unserer Persönlichkeit ablehnen. Unsere Seele versucht, uns mit verschiedenen Signalen oder Symptomen darauf aufmerksam zu machen, daß etwas nicht stimmt.
Die einzig sinnvolle Alternative aus meiner Sicht
Seelisch reifen, den Schatten integrieren und endlich erwachsen werden. Das Gegenteil davon ist das Verharren in einer kindlichen Anspruchs- und Opferhaltung, hinter der sich unbewußte Forderungen und Hoffnungen verbergen, daß die Eltern doch noch das liefern, was man als Kind so schmerzlich vermißt hat. Schließlich war das die ursprüngliche Motivation fürs Verdrängen und Ablehnen eigener Persönlichkeitsanteile.
Diese Haltung aufzugeben und auf tiefer Ebene anzuerkennen, daß sie keine hilflosen Kinder mehr sind, ist für die meisten Menschen sehr schwer und stützt im Erwachsenenalter die Motivation, sich vor der Schattenarbeit zu drücken. Das sich das geschilderte Szenario im Unterbewußtsein abspielt, sind Menschen kaum zugänglich für Erklärungen und an den Verstand gerichtete Appelle.
Die Folge: das Unterbewußtsein verstärkt oder verlagert die Signale/Symptome bis der Leidensdruck so stark ist, daß wir reagieren.
Lohnt es sich, zu reagieren und das eigene Unterbewußtsein zu erforschen?
Wer seinen Schatten kennt, ist seinen dunklen Seiten nicht länger ausgeliefert, ist seiner selbst bewußt. Bewußtes Sein verhindert unbewußte Reaktionen - unbegreifliche Gefühle, Gedanken, Handlungen. Und denken Sie immer daran: Wo kein Schatten ist, ist auch kein Licht. Sie werden staunen, was neben den vermeintlich dunklen Seiten noch an die Oberfläche drängt, um endlich gesehen zu werden.
Und wenn Ihr Schatten „echte Sünden“ beinhaltet?
Was ist das? Wer maßt sich an, darüber zu urteilen? So manche „Sünde“ oder „Schlechtigkeit“ gehört für Sie nur deshalb in diese Kategorie, weil Sie das Urteil anderer nie hinterfragt haben.
Sheldon Kopp, ein amerikanischer Psychotherapeut, schrieb in seinem Buch „Kopfunter hängend sehe ich alles anders“ über so eine Gemeinschaft von „Sündern“, die sich im Rahmen einer Gruppentherapie begegnet ist: „Diese Gemeinschaft von Sündern brannte mit schwarzer Flamme. Hatten wir auch kein Licht verbreitet, so war es doch immerhin warm genug gewesen, um überleben zu können.“, was bedeutet, daß alles einen Sinn und eine Ursache hat. Aufdeckende Hypnose bietet die Chance, die Ursachen für Ihre vermeintlichen Sünden zu finden. Die Kenntnis der verborgenen Ursachen für abgelehnte Gefühle, Gedanken, Verhaltensweisen schafft enorme Erleichterung.
Wer seinen Schatten zusätzlich aufarbeitet, durchläuft eine Art zweite Geburt, spürt dabei eventuell zeitweise Unbehagen, weil er nicht weiß, was ihn erwartet und weil die Angst vor dem Unbekannten zur menschlichen Natur gehört. Was ist in diesem Fall das Unbekannte? Das Überschreiten der Schwelle zur Eigenverantwortlichkeit und tiefer Selbsterkenntnis.
Der Lohn
Sie fühlen sich heiler und vollständiger. Dieses Gefühl beginnt mit Selbstakzeptanz, gefolgt von Selbstliebe – ein echter Turbo, wenn es um Heil und Heilung geht. Sie erkennen und geben sich selber, was Ihre Seele braucht, werden immer unabhängiger von den Reaktionen Ihres Umfelds. Die Energie, die vormals gebraucht wurde, um den Schatten unter der Oberfläche zu halten, steht Ihnen für lohnenswertere Projekte zur Verfügung :)
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Super Beitrag vielen Dank dafür!