Vorwurf bindet, nämlich an das Problem
- an das Problem eines anderen
Du mit deiner ewigen Unzufriedenheit, nichts kann man dir recht machen.
- an eigenes problematisches Verhalten
Was bin ich doch willenlos, schaffe es nicht, zu lernen statt vor der Glotze zu hängen.
- an die angeblichen Unzulänglichkeiten der Welt: globale Vorwürfe - die ganz grosse Kanone
Die Welt ist schlecht. Die Menschen sind und bleiben selbstsüchtig. Egal, was man tut, bestimmte Dinge werden sich nie ändern.
Warum Menschen im Vorwurf verharren
Wer an das Problem gebunden ist, braucht nicht über die Lösung nachzudenken - ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Beispiele
Wer über den Partner schimpft, braucht nicht über eigenes Fehlverhalten sinnieren.
Wer sich selber als willenlos bezeichnet, braucht keinen neuen Versuch zu starten, die Situation zu ändern, kann sich zurücklehnen und denken: Wozu der Stress, bringt doch eh nichts.
Wenn die Welt und die Menschen generell schlecht sind, relativieren sich eigene Schwächen.
Und weiter? Wer die Lösung will, sucht nach einem Weg, wer den Aufwand dafür scheut, schützt sich mit einer Ausrede und wartet bis die Situation unerträglich wird oder harrt eben aus, frei nach dem Motto: „Was mich nicht umbringt, macht mich nur härter.“ „Hart gegen sich und andere“, ist meine Meinung dazu und wird wohl selten zu einem erfüllten Leben führen.
Raus aus dem Vorwurf, geht das?
Ja, auf verschiedene Art und Weise. Wer sein Schwarz-Weiß-Denkens behalten will, kehrt den Spieß um:
- die Welt als Spiegel sehen und alles auf sich beziehen
Wahrscheinlich spiegelt mir mein Partner meine eigene Unzufriedenheit.
- den Vorwurf umdeuten
Da ich es nicht schaffe, von der Glotze wegzukommen, brauche ich dringend Erholung, mein Unterbewusstsein signalisiert es mir auf diese Weise.
- auf esoterische Halbwahrheiten zurückgreifen
Menschen, die ihre Kinder vernachlässigen: Auf Seelenebene sucht sich jeder die Eltern aus, die er für seine Entwicklung braucht.
Mit dieser Variante habe ich als spirituell interessierter Mensch Probleme. Warum? Weil esoterische Halbwahrheiten genutzt werden, um sich unter diesem Deckmäntelchen vor der Verantwortung zu drücken. Menschen, die darauf zurückgreifen, verunglimpfen esoterische Erkenntnisse, indem sie einzelne Sätze wie Schlagwörter aus dem Zusammenhang reissen und den erhellenden Kontext einfach weglassen.
Vorwürfe binden nicht nur, sondern sind auch Energiefresser. Beobachten Sie einfach mal, wie Sie sich fühlen, wenn Sie sich oder andere mit Vorwürfen überschütten. Wie ist die Stimmung? Wie reagiert der Körper?
Darum halte ich eine bewusste Entscheidung dafür oder dagegen für den besseren Weg. Für den Vorwurf, wenn Ihnen dieser zum Vorteil gereicht und Sie diesen Vorteil nich missen wollen. Dagegen, wenn Sie erkannt haben, dass der Nachteil überwiegt. Egal, wie Sie sich entscheiden, machen Sie sich bewusst, dass es Ihre Entscheidung ist, selbst wenn Sie sich für ein destruktives Verhalten entscheiden. Damit kommen Sie ein Stück weit raus aus der Opferrolle. Ich bin sicher, bei Vorwürfen trifft meist die 2. Zeile des folgenden Zitats zu, fehlt der Mut, etwas zu ändern:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (Reinhold Niebuhr)
Falls Sie meinen, nichts ändern zu können, versuchen Sie es doch mal mit:
Gott, gib mir die Gelassenheit, hinzunehmen, dass ich die Dinge NICHT ändern WILL,
weil es mir zu anstrengend ist
weil ich das Unbekannte fürchte
weil ich dann handeln müsste
weil es ungewohnt ist, die Verantwortung für mein Denken, Fühlen, Handeln zu übernehmen
weil ich mich so an die momentane Situation gewöhnt habe
Auf welchen Vorwurf können und wollen Sie ab sofort verzichten? Was gedenken Sie statt dessen zu tun? Wie wird sich das auf Ihr Befinden auswirken?
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