Ich liebe Wunder, und Sie?
„Was erwarten Sie von mir bzw. meinen Hypnose-Sitzungen?“ frage ich jede/n, die/der sich bei mir meldet. Und ich bin überzeugt, auch die sich nicht trauen, es auszusprechen, erwarten es:
EIN WUNDER, möglichst in zwei Schritten: erst Hypnose, dann glücklich und geheilt nach Hause gehen :)
Das funktioniert :) Wie? Wie im Märchen. Erinnern Sie sich an die Weisheiten und tiefgründigen Einsichten, die in allen Märchen stecken? Oder waren Sie einzig und allein an der spannenden Story und dem Happyend interessiert? Dann wird es Zeit für eine Auffrischung zum Thema
„Wunder werden wahr.“
Das Wunder geschieht,
NACHDEM der Prinz den Drachen besiegt hat.
NACHDEM Aschenbrödel gewagt hat, ans Licht der Öffentlichkeit zu treten.
NACHDEM die Hexe überlistet wurde…
Bevor das Wunder geschah, gab es im Leben des Prinzen, von Aschenbrödel, Hänsel und Gretel reichlich dunkle Momente. Es würde mich nicht wundern, wenn auch Märchenhelden sich in solchen Momenten nach der Wunderpille gesehnt haben, die alles heilt, und zwar ohne ihr Zutun.
So wünschen sich viele Hypnose: in Trance berieseln lassen, Problem weg, weitermachen bzw. weiterleben wie bisher.
Wünsche sind legitim. Märchenfiguren belassen es nicht dabei. Sie sind realistisch ;) und packen die Dinge an. Sie wissen, dass sie das Wunder nur selber vollbringen können und handeln entsprechend.
Aschenbrödel hat ungeachtet der ungünstigen äußeren Umstände nicht gedacht, es wäre ihr Schicksal, ewig Dienstmagd zu bleiben. Sie kam nicht auf die Idee zu kapitulieren, selbst nachdem die Methoden der Stiefmutter immer fieser wurden. Und sie hat mehr als einen Versuch gestartet, dem Prinzen den Kopf zu verdrehen. Und das Allerbeste: sie beherrschte Selbst-Marketing. Statt sich dem Prinzen aufzudrängen hat sie dafür gesorgt, dass er sie sucht und keine Mühe scheut, sie zu finden.
Und wie verhält sie sich als er um ihre Hand bittet?
Sagt sie: „Nimm mich bloß nicht, ich bin es nicht wert, deine Frau zu sein. Viel lieber bleibe ich hier in der dunklen Küche.“
oder
„Mein Schicksal ist es, Dienstmagd zu sein. Einmal Dienstmagd, immer Dienstmagd. Such dir eine echte Prinzessin.“
oder
Versteckt sie sich gleich wieder, aber diesmal so, dass er sie auf keinen Fall finden kann.
oder
Wartet sie mit ihrer Zusage bis nicht nur das Angebot, sondern auch die Rahmenbedingungen märchenhaft sind: keine Neider, keine Widersacher, Prinzessinnenausbildung (besser: Prinzessinnenstudium, inkl. Promotion) absolviert…
oder
Denken Sie an das, was davor geschah.
Hört Sie nach dem ersten Ballbesuch und nachdem die Stiefmutter neue Hindernisse geschaffen hat, auf, zum Ball zu gehen?
oder
War ihre Frustrationstoleranz so gering, dass sie gefordert hat: „Prinz her, und zwar sofort.“
oder
Hat sie sich standhaft geweigert, sich auch nur vorzustellen wie es wäre, Prinzessin zu sein?
oder
Hat sie die Tauben, die ihr zu Hilfe kamen, weggescheucht: „Ich brauch euch nicht, ich schaff das schon allein – wenn nicht in diesem Leben, dann im nächsten.“ ;)
Sie kennen die Antwort. Aschenbrödel hat nichts von all dem getan. Stattdessen erntet sie schließlich die Belohnung für ihre Bemühungen.
Wer Aschenbrödel nur als Magd kannte und ihr auf einmal auf der Hochzeit mit dem Prinzen begegnet, ist sicher:
EIN WUNDER ist geschehen.
Welches WUNDER streben Sie an? Was sind Sie bereit, dafür zu tun? Oder ist TUN nicht so Ihr Ding, und Sie warten erst mal ab, frei nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Also, über diese Lebenseinstellung muss ich mich wirklich wundern ;)
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