„Die Uhr zurückdrehen?“
lautet der Titel eines Buchs von Ellen J. Langer und weiter:
Gesund alt werden durch die heilsame Wirkung der Aufmerksamkeit
Über die Chancen der Veränderlichkeit aller Lebensprozesse
Ellen Langer ist Querdenkerin, sie hinterfragt Dinge, die für die meisten Menschen Tatsachen sind, z.B. dass das Alter automatisch mit Krankheiten einhergeht. Statt solche angebliche Erfahrungen kritiklos hinzunehmen, erforscht sie seit Jahrzehnten Möglichkeiten, gesund alt zu werden.
Mir gefällt ihre Art, Dinge zu hinterfragen. Statt anzugreifen stellt sie selber Untersuchungen an. Und sie präsentiert ihre Ergebnisse ohne den Anspruch, allwissend zu sein. Sie motiviert den Leser, Verantwortung für sich und seine Gesundheit zu übernehmen, sich von einer einschränkenden Geisteshaltung zu befreien. Und sie weist darauf hin, dass es immer möglich ist, Verbesserungen zu erzielen, wenn wir uns darum bemühen und herausfinden, was für uns persönlich das Beste ist und nicht, was für andere oder die meisten Menschen das Beste ist.
Ellen Langer schreibt über die Psychologie des Möglichen: „Für das unkritische Übernehmen von Informationen zahlen wir einen hohen Preis. Wir gehen dann durch ein Leben, ohne zu merken, dass das, was wir als unmöglich anzusehen gelernt haben, in Wahrheit durchaus möglich ist.“
Und dazu ist es keineswegs erforderlich, sich gleich um 180 Grad zu drehen, denn auch geringfügige Veränderungen können Großes bewirken.
Beispiel
Ich hatte als Kind gelernt: „Wenn Du krank bist, geh zum Arzt. Nimm auf jeden Fall die verordneten Medikamente und halte dich dabei an die Vorgaben des Arztes.“ Nachdem mir am Ende meines zweiten Lebensjahrzehnts verkündet wurde, ich müßte ab sofort bis zum Ende meines Lebens wegen meines viel zu hohen Blutdrucks Medikamente nehmen, begann ich, mich innerlich für alternative Heilmethoden zu öffnen. Für mich war das damals unbekanntes Terrain, das ich erst erkunden mußte. Das Ergebnis: Mein Blutdruck ist seit 20 Jahren ohne Medikamente tadellos.
Es geht darum, sich dem Unmöglichen zu öffnen, den Willen zu entwickeln, seinen Zustand aktiv zu verbessern, statt sich möglichst komfortabel einzurichten. Das gilt nicht nur für körperliche Probleme, sondern besonders für verkrustete geistige Überzeugungen, die oft der Auslöser für körperliche Probleme sind. So war es auch mit meinem hohen Blutdruck.
Beispiel
Klient: „Helfen Sie mir, mich mit meinem Symptom zu arrangieren.“
Wer sich mit seinem Symptom arrangieren will, glaubt nicht mehr daran, dass es je verschwinden könnte und äußert meist auch: „Damit muss ich leben.“ - eine wirksame Autosuggestion. Und je öfter Sie Ihr Unterbewusstsein mit solchen Sätzen füttern, desto zuverlässiger wird es dafür sorgen, dass Sie Ihr Symptom behalten, denn die Alternative wäre? Ja, Ihr Tod. Symptom = leben, kein Symptom = Tod.
Wenn Sie an einem solchen Punkt angekommen sind, wird es höchste Zeit, Neues auszuprobieren, am besten ohne zu beurteilen und zu bewerten. Was kostet es Sie, „Realitäten“ in Frage zu stellen?
Wie wäre es zur Abwechslung mit einer positiven Einstellung? Eine positive Einstellung ist wirksamer als irgendein anderer Effekt. Beginnen Sie, indem Sie auf Ihre Worte achten. Mit Worten senden Sie Signale an Ihr Unterbewusstsein. Sprechen Sie zur Abwechslung von Herausforderungen statt Behinderungen und Problemen. Denken Sie nach über Empfindungen statt Symptome. Versuchen Sie zu erkennen oder zu erahnen, was es damit auf sich hat.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Verbesserungen erreichen, ist wesentlich größer, wenn Sie danach suchen, als wenn Sie diese für unauffindbar halten. Dabei hilft die Annahme, dass Menschen ihr Leben beeinflussen können.
Die Annahme, schlechtes Befinden nicht beeinflussen zu können, hat viel mit dem Konzept der erlernten Hilflosigkeit zu tun. Dabei benehmen sich Menschen, die sich einst als hilf- und machtlos erlebt haben, immer noch so als seien sie den äußeren Umständen ausgeliefert, obwohl das keineswegs ihrer aktuellen Situation entspricht.
Stabilität ist eine Illusion. Das Stabilste an einer Krankheit ist die geistige Einstellung, schreibt Ellen Langer. Unterschiede im täglichen Befinden und Faktoren, die diese Unterschiede fördern, werden oft nicht bemerkt. Es herrscht Blindheit gegenüber Veränderungen. Eine sinnvolle Alternative? Umstände erkennen, die Symptome verstärken bzw. schwächen und entsprechend handeln.
Beispiel
Wenn ein depressiver Mensch anfängt, Unterschiede bei depressiven Anfällen zu untersuchen, wächst seine Chance, besser damit fertig zu werden.
Die Lösung beginnt damit, Probleme genauer erfassen, Unterschiede zu erkennen, einfach AUFMERKSAMER ZU SEIN.
Aufmerksamkeit wirkt anregend, nicht erschöpfend, gibt Ihnen das Gefühl, Einfluss zu haben, macht Sie handlungsfähig.
Die meisten Menschen, die den Stempel einer Diagnose aufgedrückt bekommen, fangen an, Informationen darüber zu sammeln. Dabei stoßen sie auf sogenannte „zwingende“ Fakten. Ellen Langer – selber Wissenschaftlerin – erinnert uns daran, dass ein Großteil diagnostischer Informationen am Mangel der Einfachheit krankt. Das Leben und auch eine Krankheit sind komplex. Diese Komplexität kann nicht so ohne weiteres erfasst werden. Deshalb sind Resultate wissenschaftlicher Untersuchungen Wahrscheinlichkeiten und keine absoluten Werte.
Je glaubhafter, autoritärer etc. ein Mensch ist, der Wahrscheinlichkeiten vermittelt, z.B. Forscher, Lehrer, Eltern, Freunde, desto eher sind viele geneigt, Wahrscheinlichkeiten mit absoluten Wahrheiten gleichzusetzen. Die gesündere Alternative: Generalisierungen vermeiden und etwas in einem bestimmten Kontext als wahrscheinlich zu betrachten. Ich habe in diesem Zusammenhang gelernt:
„Immer stimmt nie.“ Meditieren Sie doch mal über diesen Satz ;)
Eine bestimmte Krankheit, ein Symptom hat bei jedem Menschen eine spezielle Qualität, Intensität, Dauer der Empfindungen, die niemand vorhersehen kann.
Eine weitere begrenzte Beziehung: Korrelation.
Die Korrelation zweier Informationen besagt nichts weiter als dass es eine Beziehung zueinander gibt. Die fehlende Unterscheidung zwischen Korrelation und Ursache kann schwerwiegende Folgen haben.
Korrelation: Krebs ist tödlich.
Diese Aussage unkritisch zu übernehmen und als wahr zu akzeptieren, könnte bedeuten, dass jemand Opfer einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
Ich denke gern an den Satz einer meiner Lehrer: „Glaubt mir nichts.“ Ich habe diesen Satz so verstanden: denk selber nach, hinterfrage die Dinge, probiere etwas aus, kapituliere nicht, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellen will, lerne weiter, gib nie die Verantwortung für dich und dein Leben ab. In dem Sinn bin ich gern bereit, auch Ihr Weltbild zu erschüttern und als Glaubenssätze getarnte Wahrheiten zu hinterfragen.
Wollen Sie wissen, wie anfällig Sie sind, Informationen unkritisch zu übernehmen? Dann beobachten Sie doch mal, wie oft Sie das Wort MAN gebrauchen, z.B. „Das tut man nicht, etc.“ Wie oft berufen Sie sich auf andere, z.B. „Mein Arzt/Lehrer, etc. sagt…“ Die Krönung für mich ist, wenn jemand verkündet: „Das war schon immer so, das geht nicht anders.“ Bei dieser Art Anstiftung zur Resignation und zum Nichtstun könnte ich platzen ;) Gott sei Dank waren unsere Vorfahren flexibler, sonst würden wir immer noch in Höhlen hausen, oder?
Zurück zum Buch von Ellen Langer. Die Bevölkerung unseres Landes wird immer älter. Gleichzeitig kümmern sich immer mehr ältere Menschen um ihre noch älteren Eltern. Sie nehmen diese bei sich auf und schaden mit dieser Überlastung oft nicht nur sich, sondern auch ihren Eltern, wenn sie diese wie kleine Kinder behandeln, deren Handlungsspielraum und Verantwortung für sich einschränken. In einer solchen Situation ist eine Demenz nichts weiter als eine adäquate Reaktion auf ein reizarmes unterforderndes Umfeld, meint die Forscherin. Lesen Sie selbst, wenn Sie mehr darüber erfahren wollen:
Quelle: Ellen Langer "Die Uhr zurückdrehen?"
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